Einleitung
Bis zum 19. Jahrhundert hieß es Clavier (von lat. clavis = Schlüssel; engl. und frz.: piano; it.: pianoforte). Unter Claves verstand man im späten Mittelalter sowohl die Tangenten der Radleier als auch die Tasten der Orgel. Zu welchem Zeitpunkt die Übertragung des Begriffs auf die besaiteten Tasteninstrumente vorgenommen wurde, lässt sich bei der gegenwärtigen Kenntnis der Quellenlage nicht exakt bestimmen. Bereits im 16. Jh. wurden die Manuale und das Pedal der Orgel als Claviere bezeichnet. Das 18. Jh. verstand unter Clavier das besonders in Deutschland verbreitete Clavichord. Das Cembalo, dessen Saiten durch Kiele angerissen werden, wurde in Abgrenzung zum Clavier als Flügel bezeichnet. Erst im 19. Jh. wurde der Begriff Klavier für besaitete Tasteninstrumente mit Hammermechanik allgemein angewendet.
Geschichte
Die Geschichte des Klaviers beginnt mit der Konstruktion eines Gravecembalo col piano e forte, das 1709 durch B. Cristofori vorgestellt wurde. Die Hammermechanik dieses Instruments, bei der die Hammerköpfe aus Pergament gefertigt waren, ist nicht denkbar ohne vorausgegangene Arbeiten anderer Instrumentenbauer. Von der Mitte des 15. Jh. an lassen zahlreiche Berichte über Hammermechaniken und Instrumente mit Konstruktionen, die ein piano e forte-Spiel zuließen, deutlich werden, dass die Erfindung eines Tasteninstrumentes mit Hammermechanik nicht erst im 18. Jh. angesetzt werden kann. Bereits H. Arnault beschrieb in seinen detaillierte Angaben über den Instrumentenbau des 15. Jh. enthaltenen Traktaten unter anderem eine Tangentenmechanik für ein Klavier-Instrument: ein auf dem hinteren Ende eines zweiarmigen Tastenhebels senkrecht stehendes Konstruktionselement wird von unten an die Saite geführt; eine Technik, die im 18. Jh. durch Chr. G. Schröter in Dresden und Späth & Schmahl in Regensburg in vervollkommneter Weise für den Tangentenflügel angewendet wurde. Als wichtige Quelle gilt auch A. Kirchers 1673 erschienene Phonurgia nova, in der ein von Michael Todini erbautes Universalinstrument (Klaviorganum) beschrieben wird, dessen drei "Clavicymbali" durch "marculi" (= Hämmerchen) angeschlagen wurden. Es liegt nahe, die Entwicklung der frühen Hammermechaniken in enger Verbindung zu dem seit dem Mittelalter bekannten Hackbrett zu sehen. Schon damals konnte man also Klavier lernen. Aufsehen erregte auch ein von P. Hebenstreit erfundenes, tatsächlich aber nur umkonstruiertes Instrument, das "Pantaleon". Es war ein überdimensioniertes, mit Stahl- und umsponnenen Darmsaiten bespanntes Hackbrett, das, mit Klöppeln gespielt, ein dem frühen Hammerklavier vergleichbares Klangresultat bot.
Bau und Funktion
Zum Klavier lernen sollte man über den Bau und die Funktion Bescheid wissen. Der Umfang der Klaviatur des modernen Flügels und Klaviers reicht üblicherweise von A2-c hoch Fünf. Die ungleichschenkligen, aus Lindenholz hergestellten Tastenhebel erhalten ihre Führung durch am Waagebalken und unterhalb der Tastenbeläge angebrachte Stifte. Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten aus Ebenholz gefertigt. Beide Materialien werden heute zum Teil durch entsprechende Kunststoffe ersetzt. Auf dem durch ein kleines Bleigewicht beschwerten Tastenhinterarm befindet sich eine verstellbare Pilotenschraube, die die Verbindung zur darüber liegenden Anschlagmechanik herstellt. Die Konstruktion der Anschlagsmechanik des Flügels mit liegenden Hämmern und die des Klaviers mit stehenden geht auf Cristofori zurück. Die heute allgemein bei Flügel und Klavier verwendete Mechanik basiert auf einer Repititionsmechanik.
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